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der pilz im patent

Wie versteht unsere Gesellschaft «Depressionen» – und wie lassen sich diese behandeln? Wo sind dabei legale, wo illegalisierte und wo illegitime Mittel im Spiel? Entlang solcher Fragen taucht «Der Pilz im Patent» ab in die Geschichte psychoaktiver Wirkstoffe. Die kollektive Arbeit des Komponisten Jörg Köppl mit dem Autor Tim Zulauf und dem Regisseur Léo Collin, dem ensemble metanoia und den teils rollstuhlfahrenden Darsteller*innen führt zu pointierter Spannung: Neue Musik, installatives Theater und historisch-dokumentarische Recherche reflektieren sich. Auszüge aus Video-Interviews mit Betroffenen, Expert*innen und Historiker*innen zur substanzgebundenen Behandlung von Depression werden selbst zur Musik. Dann wieder ziehen fiktive Erzählstränge durch die Klanglandschaft: Die Design-Historikerin Denise Büchel begutachtet zusammen mit dem Klinikleiter Professor Ralf Meher die Ausstattung eines Test-Settings: Würde sich dieser Therapieraum von seinen Klängen und Atmosphären her für neuartige Antidepressions-Kuren mit LSD oder Psilocybin eignen? Die Figur der «Phase» löst sich aus den Klangzwischenräumen. Durch sie stösst die Raumanalyse unverhofft auf eine Notiz aus der Vergangenheit, und Denise Büchel kommt ein Verdacht: Erkennt sie nicht diese Stimme wieder?

Jörg Köppl: Konzept, Komposition, künstlerische Leitung, Co-Regie /Tim Zulauf: Text, Schauspielführung, konzeptuelle Mitarbeit /Ursina Merkt: Produktionsleitung /   Léo Collin: Künstlerische Assistenz, Co-Regie /Franziska Bruecker: Stimme, Spiel / Silvio Cadotsch: Posaune /Sebastian Hofmann: Schlagzeug / Janine Meier: Stimme, Spiel /Lulzim Plakolli: Stimme, Spiel / Alessandro Peter: Elektronik, Stimme, Spiel /Hanspeter Pfammatter: Keyboards / Philipp Schaufelberger: Gitarren /Lara Stanic: Flöten, Elektronik / Luise Hüsler: Video, Videoanimation / Hernan Prevett: Bühne / Willy Strehler: Klang /Ursula Degen: Licht / Judith Steinmann: Kostüm

mono

Die Audioperformance “mono”schlägt die Brücke von einem akustischen Phänomen zu Lessings Ringparabel: Was können wir wissen und was müssen wir glauben? Eine musikalische Erzählung über die Zerbrechlichkeit einer zu teilenden Wirklichkeit.

Konzept, Komposition, Performance: Jörg Köppl
Regie, Video und Assistenz: Léo Collin
Performance: Franziska Bruecker, Lara Stanic 
Ensemble: Hischem Djezari, Janos Morvay, Mo Hacicic, Sarah Oswald 
Szenografie: Mirjam Bürgin
Produktion und konzeptionelle Mitarbeit: Ketty Ghanssia

mono – Eine Besprechung von Zeno Cavigelli

Wer im Ferienhaus an die getäferte Decke schaut, meint Kobolde zu sehen, Karikaturen. Das kann lustig sein oder ängstigen. Immer wieder sucht man die einmal erkannten Gesichter, jeden Abend. Niemand will jedoch die ganze Zimmerdecke inventarisieren, zwei, drei Vertraute genügen. Ein Geräusch hingegen ist flüchtig. Das rosa Rauschen, Kernelement der Performance ‚mono‘, löst Assoziationen aus. Es tönt wie… Und mit der Zeit glaubt man darin Muster zu erkennen. Ist diese Wahrnehmung allgemein? Ist sie individuell? Worauf beruht sie?

Das ‚mono‘-Publikum sieht sich vor einem beeindruckenden technischen Arsenal: Ein Wald von Notenständern, an einigen hängen Kopfhörer. Darum herum Stühle, wo soll man sich hinsetzen, Qual der Freiheit. Eine Leinwand verspricht etwas zum Sehen. In der Mitte Tische mit Mischpult, Computer, Drucker, Kabelgewirr, eine Bassflöte. Hat es schon angefangen? Das Licht im Saal wird dunkler, wieder heller, ein Zettel wird verteilt. Wer von den Leuten hier ist Publikum, wer führt uns etwas vor? Alles nicht so klar – wie im richtigen Leben.
Das Rauschen ist ein Gleichnis. Es steht für das Individuelle der menschlichen Wahrnehmung: Zufällig, bruchstückhaft, beeinflusst, gestört. Auch der Einführungstext, gesprochen durch die Querflöte, kommt in Fetzen. Sprachfragmente, angerissene Geschichten, Teile von Lessings Ringparabel, dazu ähnliche Ring- und Edelsteinerzählungen legen Fährten, verlässliche?. Wer spricht überhaupt? Wer gehört zu den Eingeweihten? Das Stück hat einen Ablauf, es sind Musiker dahinter, das sieht man an dirigierenden Händen. Aber es verunsichert. Die Videobilder am Schluss setzen noch einen drauf.
Gut so. Was wir von der Welt wahrnehmen, ist genau so verwirrend, widersprüchlich, gestört, gefaked. Und beeinflusst vom Beobachter, von der Beobachterin selber. Der Film entsteht im Kopf. Das Weltbild entsteht im Kopf. Die Ahnung von Transzendenz, die Vorstellung einer Religion, der eigenen oder gar der andern – im Kopf. Es schreit nach Klärung. Es schreit nach Diskurs. Dieser kann aber nicht in ‚mono‘ stattfinden. Der Diskurs gehört ins richtige Leben.